Neubeginn durch die Liebe zu Pilotenuhren

Initiator und Realisator des kühnen Plans, die Berliner Traditionsmarke ASKANIA wiederzubeleben
und zu einer feinen Adresse für hochwertige handgebaute Uhren zu machen, war Leonhard
R. Müller. Er stammt aus der Goldschmiedestadt Pforzheim, verbrachte einen Teil seines Berufslebens
in der Uhrenbranche in der Schweiz und verkörpert heute als Vorstandsvorsitzender wie kein
anderer die Wiedergeburt der ASKANIA AG in Berlin.

Der Urknall

Am Anfang war ein Buch über Militäruhren und Pilotenuhren, aus dem Müller von ASKANIA-Vorkriegsprodukten und ihrem ausgezeichneten Ruf erfuhr. „Das war der Urknall“, sagt er selbst.
„Meine Vorliebe für Pilotenuhren brachte mich auf die Idee, das fortzusetzen, was bei ASKANIA so großartig verwirklicht worden war. Es war eine verrückte Idee, die mich jedoch so elektrisierte, dass sich mein Sinnen und Trachten von da an einzig um ASKANIA-Uhren drehten.“ Im Jahr 2004 war es dann soweit. Mit dem Erwerb der Rechte am Namen ASKANIA konnte die ASKANIA AG ins Handelsregister eingetragen werden. Zuvor hatte Leonhard R. Müller die Reaktionen
möglicher Kunden mit einem kleinen Stand auf der Internationalen Luftfahrtausstellung 2004 getestet, denn in der Luftfahrtbranche hat der Name bis heute einen exquisiten Klang.

Die Wurzeln

Die ASKANIA Uhren haben ihre Wurzeln in Berlin. Carl Bamberg, Sohn eines Uhrmachers aus Thüringen und Protegé von Carl Zeiss, gründete 1871 in der Linienstraße 185 in Berlin eine Manufaktur unter dem Namen „Bambergwerke“. Binnen kurzem entwickelte sich das Unternehmen dank herausragender Innovationen im Bereich Messtechnik zu einem führenden Vertreter der feinmechanischen und optischen Industrie in Deutschland und bald weltweit. Einen Namen machte sich Bamberg mit hochwertigen nautischen, geodätischen, erdmagnetischen und astronomischen Präzisionsgeräten für Marine, Observatorien, Forschung und Expeditionen. Aufsehen erregten auch die 1874 für den Cuxhavener Hafen und 1876 für den Hafen Hamburg entwickelten Zeitbälle zur Synchronisierung der Deckwatches und Schiffschronometer. Die ersten ASKANIA Uhren waren Taschenuhren mit Handaufzugswerken. Von Beginn an legte Bamberg Wert auf internationale
Wahrnehmung, sodass er seine Produkte beispielsweise 1876 auf Messen in London und Philadelphia ausstellte.

Um die Jahrhundertwende

Ein Gütebeweis für die Bambergwerke und später für ASKANIA war die Zusammenarbeit mit zahlreichen renommierten Kunden, wie Junker, Zeppelin, Dornier, Messerschmidt, Bücker, Siemens & Halske oder die Schottwerke Jena. Eng kooperierte Bamberg auch mit der Kaiserlichen Marine, für die er der Hauptlieferant von Messinstrumenten wurde. Die erfolgreiche Entwicklung setzt sich auch fort, als Carl Bamberg 1892 im Alter von 44 Jahren verstarb und zunächst seine Witwe Emma Bamberg, geb. Roux, und 1904 sein Sohn Paul Adolf Bamberg die Leitung des feinmechanischen Betriebes übernahmen. In der Zeit vor und nach der Jahrhundertwende wurden zum Beispiel ganze Serien hochpräziser wissenschaftlicher Apparate wie Koordinaten-Messgeräte zum Ausmessen großformatiger fotografischer Glasnegative aus den Gebieten Physik, Astronomie und Geodäsie produziert. Damit stand das Unternehmen in Konkurrenz zu bekannten Firmen wie Carl Zeiss Jena oder Adam Hilger London, erlangte aber auch internationales Ansehen in Wissenschaftskreisen.

Höhepunkt

Seinen Höhepunkt erreichte das von Carl Bamberg gegründete Unternehmen in den beiden Jahrzehnten zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg. In dieser Zeit leitete Max Roux das Unternehmen.
Durch Zusammenschluss mit der Central-Werkstatt für Gasgeräte GmbH in Dessau entstand 1921 die ASKANIA-WERKE AG. Der Name und die Krone als Firmensignet nehmen Bezug auf das Adelsgeschlecht der Askanier, die vor allem im hohen und späten Mittelalter eine herausragende geschichtliche Bedeutung für weite Teile des heutigen Ostdeutschlands hatten. Albrecht der Bär war ihr erster bedeutender Vertreter. Er trieb die deutsche Besiedelung der slawischen Grenzmarken maßgebend mit voran und gründete schließlich die Mark Brandenburg. Nach der Fusion wurde die ASKANIA-WERKE AG mit Standorten in Berlin und im Berliner Umland zum bedeutendsten deutschen Unternehmen für Luftfahrt- und Navigationsinstrumente. Am Ende der 1920er Jahre hatte ASKANIA neben Zweigstellen in Deutschland auch Niederlassungen in Paris, Houston und Chicago.

Innovationen

Seit den 1920er Jahren baute die Firma auch Filmprojektoren, Stereoskopie-Kameras und Filmkameras, die unter anderem bei den UFA-Dreharbeiten zu den Filmen „Der Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und „Quax, der Bruchpilot“ mit Heinz Rühmann oder bei Leni Riefenstahls „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ zum Einsatz kamen. 1935 wurde die erste tragbare Schulterkamera der Welt, die ASKANIA Schulterkamera, vorgestellt. Während der Olympischen Sommerspiele 1936 kamen Zeitmessinstrumente und Filmkameras zum Aufzeichnen der Wettbewerbe zum Einsatz.

Mit ASKANIA-Filmkameras drehte auch noch Völker Schlöndorff Teile des berühmten Films „Die Blechtrommel“. Die Nachtfluginstrumente, Bordinstrumente und Pilotenuhren halfen Pionieren der Luftfahrt wie Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld bei seiner Atlantik-Erstüberquerung oder Elly Beinhorn bei ihren  Langstrecken-flugrekorden. ASKANIA-Bordinstrumente waren in zahlreichen Flugzeugen, unter anderem in denen der Lufthansa, eingebaut. In den 20er bis 40er Jahren gibt es kaum ein Flugzeug ohne ASKANIA-Bordinstrumente, die bei jedem Wetter, in jeder Situation und zu jeder Tages- und Nachtzeit zuverlässig ihren Dienst versahen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die ASKANIA-WERKE aufgesplittet. Beispielsweise entstand aus dem Zweigwerk in Teltow im Januar 1946 die ASKANIA Feinmechanik und Optik GmbH Teltow, eine Tochter-gesellschaft der ASKANIA-WERKE AG Berlin-Friedenau. Alles in allem wurde die ASKANIA-Geschichte nach 1945 stark von den zunehmenden Konflikten zwischen den Alliierten Siegermächten beeinflusst. Rechtliche Auseinandersetzungen und ein ständiges Hin und Her führten zu einem immer größeren Bedeutungsverlust für die einzelnen ASKANIA-Sparten. In den 1960er Jahren schließlich ging ein erheblicher Teil der verbliebenen
Fertigungsstätten der ASKANIA Werke AG in anderen Unternehmen auf. ASKANIA wurde 1971 zum Großteil von Siemens übernommen.

Damit kam ein typisches Beispiel deutscher Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vorläufig zum Abschluss. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gestartet, nahmen viele Firmen eine erfolgreiche Entwicklung, die durch Faschismus und Krieg allerdings häufig zum Erliegen kam. Im Fall ASKANIA konnten einige Sparten ihre Arbeiten fortsetzen, darunter die von Leonhard R. Müller zum neuen Leben erweckte ASKANIA Uhrenmanufaktur in der deutschen Hauptstadt.

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